„Von der Freiheit eines Christenmenschen“

Konfirmationspredigt 2016, gehalten am 4. und 5. Juni 2016 in der Kadelburger Bergkirche sowie am 11. und 12. Juni 2016 in der Lukaskirche in Grießen und in der Matthäuskirche in Erzingen

Gnade sei mit Euch von Gott, unserm Vater und dem Herrn Jesus Christus!

 

Liebe Festgemeinde, liebe Konfirmanden,

liebe Alida, liebe Carla, liebe Gianina, liebe Jenni, Liebe Lisa, liebe Marlen, liebe Milena, lieber Bennet, lieber Elias, lieber Laurin, lieber Leon, lieber Luca, lieber Tim, liebe Elena, liebe Kirsten, liebe Sina, lieber Balthasar, lieber Jan Luca, lieber Johannes, lieber Noel, lieber Stefan und lieber Tobias, lieber Felix, lieber Lukas, lieber Paul und lieber Maurice, liebe Junies, liebe Marie, lieber Leon, lieber Mathis und lieber Niklas!

Heute ist er da, euer großer Tag! Gemeinsam feiern wir heute Eure Konfirmation. Ihr habt´s geschafft! 31 Konfirmandinnen und Konfirmanden sind es, die in diesem Jahr konfirmiert werden, die anderen folgen morgen. Unsere gemeinsame Konfirmandenzeit liegt damit hinter Euch und hinter uns! Ihr habt´s geschafft und wir auch! Gottseidank!

Liebe Gemeinde! Seh´n sie nicht toll aus hier vorne? Das sind Ihre Kinder, die sich im letzten halben Jahr zu Jugendlichen entwickelt haben. Ich kenne sie kaum wieder mit ihrem schönen Outfit, so festlich sind sie heute herausgeputzt! Ich werde übrigens im Folgenden, wenn ich unsere Jugendlichen meine, von Konfis sprechen – also ich spare mir zu sagen: Konfirmandinnen und Konfirmanden –, sondern benutze stattdessen die Abkürzung: „Konfis“. Ich betone das deshalb, weil ich letztes Jahr von einem Opa nach dem Konfirmationsgottesdienst drauf angesprochen worden bin, warum ich immer

Konfis gesagt habe. Also: Konfirmandinnen und Konfirmanden ist einfach länger als Konfis! Und wir wollen doch Weihnachten alle zuhause feiern, oder?

Liebe Gäste unserer Konfis, an dieser Stelle wende ich mich nochmal direkt an Euch: Wo sind denn die Eltern der Konfis? Outet Euch doch mal bitte! (Eltern melden und erheben sich) Und wo sind die Paten? (Paten melden und erheben sich). Ich gratuliere Euch. Ist das nicht ein besonderer Tag für Euch heute? Ungefähr 14 Jahre sind vergangen, seit Eure Kinder getauft worden sind. Erinnert Ihr Euch? Da wart Ihr alle noch frisch und knackig – heute seid Ihr nur noch knackig, oder? (Heiterkeit)

Ihr erinnert Euch bestimmt daran, wie das gewesen ist damals, bei der Taufe. Vielleicht erinnert Ihr Euch auch an eure eigene Konfirmation – soweit Ihr evangelisch seid. Wer ist evangelisch? Erinnert Ihr Euch? Werft mir doch `mal zu, was Ihr so bekommen habt zur Konfirmation! (aus der Gemeinde: Aussteuer, Uhr, Handtücher, Sammeltasse usw.). Da kann ich mithalten: Ich habe auch Handtücher und Taschentücher geschenkt bekommen, aber ich habe auch Platten bekommen – Ihr schaut so? Platten, das waren diese großen schwarzen Scheiben, auf denen sich gepresste Musik befunden hat! Für die man einen Plattenspieler brauchte, der kratzte auf den Platten lang und dann kam Musik heraus! (Heiterkeit) Daran sieht man, denke ich, dass sich in den zurückliegenden Jahren viel verändert hat. Obwohl – ich habe mir sagen lassen: Platten sind retro, die werden wieder von der Jugend gehört, die finden Jugendliche cool! Gibt´s denn sowas!

Kleine Frage zwischendurch: Haben wir vielleicht Mitglieder der römisch-katholischen Kirche unter uns? Outet Euch doch `mal! Seid herzlich willkommen, liebe Schwestern und Brüder! Ihr werdet sehen, unserer Gottesdienst hier ist genau wie Eurer – im Wesentlichen. Manche sagen, er ist kürzer. Und das Bodenpersonal ist unterschiedlich – sicher: Ihr habt den Papst – dafür dürfen wir heiraten – aber der liebt Gott ist gottseidank derselbe. Das gilt auch heute fürs Abendmahl: Wenn wir nachher Abendmahl feiern, seid Ihr selbstverständlich eingeladen. Schließlich lebt Ihr mit Evangelischen auch zusammen und liegt miteinander im Bett und frühstückt zusammen, dann könnt Ihr auch gemeinsam zum Abendmahl gehen. Seid also herzlich eingeladen!

Und lasst euch alle mit hineinnehmen auf unserer Reise in die Vergangenheit! Ich werde im Folgenden ein bisschen schildern, was wir so alles gemacht haben im Konfi-Unterricht.

Liebe Konfis! Eine gemeinsame Zeit liegt hinter uns – als einzelne und als Gruppe. Wie Eure Gäste vielleicht wissen, haben wir hier in Kadelburg und Klettgau den traditionellen Mittwochnachmittag als Konfi-Unterricht aufgegeben und haben stattdessen Unterricht im Block gemacht. Wir erinnern uns: Angefangen haben wir mit einer Anmeldung letzten Juli, sowohl hier als auch im Klettgau. Dort seid Ihr zum ersten Mal als Konfis in Erscheinung getreten und habt euch angemeldet. Ihr habt einen „Steckbrief“ über euch selbst ausgefüllt und darüber Auskunft gegeben, was Euch Spaß macht und wovor Ihr Angst habt und was Ihr einmal werden wollt, was Ihr blöd findet und wen Ihr einmal treffen möchtet. Dann begann im September die Konfizeit mit einem Konfi-Lager auf Burg Wildenstein an der Donau. Wir haben dort das Thema „Gottesdienst“ behandelt, wir haben studiert, wie das so im Gottesdienst läuft, wir haben, gelesen, gesungen und gebetet. Denn der Gottesdienstbesuch ist der andere Faktor des Unterrichts: regelmäßiger Gottesdienstbesuch war ab September angesagt! O weh! Die eine oder der andere musste sich so manchen Sonntag regelrecht aus dem Bett schälen, um rechtzeitig um zehn Uhr bzw. zehn nach zehn Uhr da zu sein. Einige sind sogar hin und wieder zur Kirche gelaufen, habe ich gesehen, weil sie zu spät

aufgestanden waren oder verschlafen hatten. Aber ganz ehrlich, wirklich: So ein Hauptgottesdienst am Sonntagmorgen ist wirklich keine vergnügungssteuerpflichtige Veranstaltung für junge Menschen wie unseren Jugendlichen hier vorne. Darum hat es zum Glück auch Jugendgottesdienste gegeben – die haben abends stattgefunden, wie zum Beispiel der Jugendgottesdienst am Reformationstag: Am 31. Oktober 2015 haben alle Konfis an der „churchnight“, an der `Kirchennacht, in der Bergkirche teilgenommen. Wir haben wie seinerzeit Martin Luther abends im Jugendgottesdienst mit kleinen Tintenbeuteln nach dem Bösen geworfen. Ihr kennt ja alle die Geschichte, oder? Wie Martin Luther in seiner Zelle auf der Wartburg vom Teufel gequält wird und dann mit seinem Tintenfass nach ihm wirft. Der Fleck ist jahrhundertelang immer wieder erneuert worden – dabei hatte Luther einfach nur gesagt: „Ich habe den Teufel mit der Tinte vertrieben“, also durchs Schreiben. Wir haben also auch geworfen, mit Tinte, der Beutel ist dann zerplatzt, das hat uns allen, viel Spaß gemacht und so manches Kunstwerk ist dabei herausgekommen. Eine andere Veranstaltung für Jugendliche war der „Ökumenischen Kreuzweg der Jugend“ – den sind wir in diesem Jahr kurz vor Ostern von Dangstetten nach Kadelburg gelaufen. Unterwegs haben wir immer wieder Texte gelesen, die von Jesu Kreuzigung und vom Karfreitag gehandelt haben.

Im November sind wir dann alle bei der „Nacht der Lichter“ in Hohentengen gewesen und haben dort einen meditativen Abendgottesdienst nach der Liturgie von Taizé erlebt, mit schönen Liedern und schöner Musik. Und wir haben dort zum ersten Mal erfahren, wie das ist: gemeinsam zu schweigen! Im Dezember sind wir dann zum Jugendfilmfestival nach Bayern gefahren. Das Festival ist einzigartig in Deutschland. In Ingolstadt konnten wir einen Tag lang aktuelle Filme ansehen, die Jugendliche gedreht hatten, zu Themen, die Jugendliche heute beschäftigen, wie der Suizid von Freunden, Liebesgeschichten und Beziehungsprobleme, Gentechnik und Mobbing. Das sind die Themen von Jugendlichen heute. Ich habe mit Euch zum ersten Mal einen echt grusligen Horrorfilm angeschaut, bei dem Jugendliche die Regie hatten, aber es hat auch Witziges gegeben und wir haben oft gelacht.

Viel zu lachen hatten wir auch bei unserem Besuch beim Bestatter, obwohl bei dem Thema „Sterben und Ewiges Leben“ einem nicht gerade zum Lachen ist. Bestatter Josef Stoll in Grießen ist ein studierter Mann, ein Maschinenbauingenieur, der zum Bestatter geworden ist, und der es wirklich gut mit Jugendlichen kann. Über seinen schweren Beruf hat Herr Stoll gerne Auskunft gegeben und er hat Rede und Antwort gestanden, auch über seinen katholischen Glauben und so manche schwere Situation. Wann trifft man schonmal einen Bestatter privat? Meistens doch nur dann, wenn´s extrem ist, oder. So hatten die Konfis eine gute Gelegenheit, alles rund ums Thema „Bestattung“ zu fragen. Die Konfis durften alle Fragen stellen, bis auf eine: Wieviel verdient ein Bestatter? Diese Frage war tabu! (Heiterkeit) Wir durften dann auch ins Sarglager gehen, die vielen Urnen und Särge betrachten – aufs Probeliegen im Sarg, wie es einigen Konfis in den Sinn kam, haben wir dann aber doch lieber verzichtet! Ein Weg über den Grießener Friedhof bei trübem Wetter hat an diesem Tag auch dazu gehört. Der Abschluss dieses Tages im Januar fand in der Lukaskirche statt – da schrieb dann jemand von Euch: „Das Leben ist lebenswert und man soll es nicht wegwerfen!“ „Das Leben ist lebenswert!“ Wenn so ein Satz nach einem solchen Tag dabei herauskommt – dann hat sich der Einsatz gelohnt, dann ist das pädagogische Ziel erreicht, finde ich. Schließlich haben wir bei den Terroranschlägen in Paris vor nicht all zu langer Zeit gesehen wohin es führt, wenn einige das Leben nicht lebenswert finden, sondern den Tod verherrlichen und nicht zurückschrecken, andere in den Tod mit sich zu reißen und auch das eigene Leben wegwerfen.

Ach ja, habe ich vergessen: Wir haben natürlich auch viel gefeiert in dem halben Jahr Konfi-Unterricht – das Erntedankfest ist darunter gewesen und Weihnachten! In der Lukaskirche habe ich im vergangenen Jahr am Heiligen

Abend wieder zwei kleine Schäfchen zu Gast gehabt, die uns an die Jesusgeschichte erinnert haben – die schließlich in einem Stall bei Ochs und Esel begonnen hat. In der Kadelburger Bergkirche hat dann wie in jedem Jahr unser modernes Krippenspiel stattgefunden, mit Pop- und Rock und vielen singenden und spielenden Kindern. Bestimmt ist der eine oder die andere von Euch dabei gewesen! Übrigens: Habt Ihr gewusst, dass eine unserer Krippenspiel-Aufführungen der vergangenen Jahre auf YouTube fast 15000­mal aufgerufen worden ist? Wir filmen das Krippenspiel jedesmal mit und stellen´s dann nach Weihnachten ins Netz. Ein Lied bringt es auf sage und schreibe 15000 Aufrufe! Ist doch irre, oder?

Wir haben dann im Frühjahr Ostern gefeiert – vor der Bergkirche mit einem Osterfeuer und der Osternacht, in Erzingen in der Matthäuskirche mit einem Gottesdienst – und dann natürlich auch Pfingsten mit den vielen Taufen in der Bergkirche, wegen des schlechten Wetters statt im Rhein! Ihr habt auf diese Weise gelernt, dass zum christlichen Glauben auch das Feiern dazu gehört. Eigentlich feiern wir das ganze Jahr über. Ist doch `n toller Job, Pfarrer, oder? Sonntags arbeite ich und den Rest des Jahres feiere ich. Geht´s mir gut! Ich werbe jetzt bei der Jugend für das Theologiestudium, denn es wird in ein paar Jahren zu wenig Pfarrer geben... (Heiterkeit)

Ja, und dann ist sie auch schon da gewesen, der Höhepunkt unseres Konfi-Unterrichts: unsere Busreise nach Wittenberg, auf den Spuren von Thomas Müntzer und Martin Luther, eine Reise ins Mittelalter und in die Zeit der Reformation, der Erneuerung der Kirche. Begonnen haben wir mit der Wartburg in Eisenach, der größten intakten Burganlage in Deutschland. Wir haben uns überzeugen können von dem Ort, an dem Luther die Bibel ins Deutsche übersetzt hat und damit zur Sprach- und Nationenbildung beigetragen hat. Deshalb feiern wir nächstes Jahr 500 Jahre Reformation, der Staat bzw. die Bundesregierung möchte das so und wir in den Landeskirchen auch – wir feiern damit auch Luther. Deutschland als politische Nation, so wie

es heute ist, ist ohne Luther nicht denkbar. Von der Wartburg aus sind wir auf eine andere Burg gefahren, zur Wasserburg Heldrungen. Auf der Burg Heldrungen ist einst der Priester und revolutionäre Bauernführer Thomas Müntzer, der bekanntlich 1524 auch in Grießen gewesen ist, 1525 gefangen genommen worden. Bevor man ihn hingerichtet und seinen Kopf aufgespießt hat, ist er in Burg Heldrungen gefoltert worden. Die Wasserburg Heldrungen, der Ort des grausamen Geschehens, ist ist heute eine Jugendherberge des DJH, frisch renoviert und ganz ausgezeichnet geführt. Wir sind immer wieder gerne dort zu Gast!

Die abendliche Burgführung mit dem Ritter durch die alten Keller und Verliese und Geheimgänge ist schon ein ganz besonderes Erlebnis gewesen. Von Heldrungen aus haben wir dann mit unserem Bus Fahrten unternommen: nach Halle, wo Luthers Gegenspieler Albrecht von Mainz seine Residenz hatte und wir Luthers Totenmaske besichtigen konnten und von einer kirchlichen Mitarbeiterin durch die Kirche geführt wurden, die mit uns auch eine kleine Reise in die Geschichte der DDR unternommen hat; nach Wittenberg, wo wir im Luther-Museum und in Luthers Predigtkirche gewesen sind und die Schlosskirche gesehen haben, an deren Tür Luther der Legende nach 1517 seine 95 Thesen angeschlagen hat; nach Frankenhausen, wo der Deutsche Bauernkrieg 1524 sein Ende fand – Stichwort „Panoramamuseum“, noch heute gibt es dort die „Blutrinne“; nach Erfurt, wo Luther im Kloster war. Zum Schluss haben wir´s uns dann nochmal richtig gegeben und haben uns nach Weimar mit dem Zug aufgemacht, weil unser Bus seine gesetzliche Ruhepflicht einzuhalten hatte. In Weimar haben wir noch einmal viel über Goethe und Schiller und die Weimarer Klassik gelernt. Ich bin sicher, Ihr habt die Lebensdaten von Goethe (1749-1832) und Schiller (1759-1805) bestimmt noch drauf! Das vergisst man nicht, oder?

Nachts ging es dann wieder zurück in die Heimat, wo wir wohlbehalten morgens um 6. 00 Uhr beim Dietrich Bonhoeffer-Haus in Kadelburg ankamen.

Und was ist sonst noch Konfi gewesen? Daran werden sich besonders die

Konfis jetzt erinnern, ich wende mich jetzt mal direkt an Euch – Sie müssen

das jetzt nicht verstehen, liebe Gemeinde. In Stichworten versuche ich bei

unseren Konfis Bilder wachzurufen, was sonst noch Konfi-Zeit für sie bedeutet

haben könnte:

Unser Blitzlicht „Licht und Stein“...

neue Leute kennen lernen...

das andere Geschlecht entdecken...

Busfahrten mit dem Luther-Film...

mal wieder in ein Bällebad hopsen, wenn´s keiner sieht...

2000 Kirchgeldbriefe eintüten helfen und Gemeindebriefe austeilen...

gemeinsam Lose wickeln...

sich manchmal zu singen trauen und sich wundern, dass auch der Nachbar

singen kann...

„Meckes! Wann kommt er endlich?“ rufen, weil das „Hotel zur Goldenen Möve"

eine unglaubliche Anziehungskraft in Eurem Alter hat...

Liturgie lernen: Wie geht das nochmal weiter „Ehre sei Gott in der Höhe...“ und

dann...

am Konfi-Gespräch alleine ohne Zettel etwas Sinnvolles sagen...

Anteilnehmen an der Freude anderer, bei Taufen zum Beispiel...

lernen, dass man beim Abendmahl nicht „Danke“ sagen sollte, bei den

Konfirmationsgeschenken aber durchaus – warum? Weil wir uns gemeinsam

an Jesus erinnern und wir dafür Gott danken und nicht dem, der beim

Abendmahl neben uns steht...

Fragebögen nach dem Gottesdienst ausfüllen zur Predigt...

merken, dass es gar nicht so einfach ist, sich alles zu merken...

die Frage vor der Konfirmation: Was soll ich bloß bei der Konfirmation

anziehen?...

miteinander auch mal schweigen...

in Burg Heldrungen mit dem Boot kentern und durch den Burggraben schwimmen (ich denke nur an all die toten Fische, die vom Reiher fertig gemacht worden sind und bäuchlings an der Oberfläche schwammen)... eine Jesusgeschichte frei nacherzählen können...

in der Nacht unterwegs sein und diese verrückten Tiere aufstöbern, ihr erinnert euch: I-aah, Miau, Kikeriki)...

merken, dass es auf jeden drauf ankommt und dass vor Gott und in unseren Kirchengemeinden jede und jeder so sein darf, wie sie oder er will.

Liebe Konfis, das wollten wir Euch allen mitgeben: Der christliche Glaube hängt auch mit Bildung zusammen – ein bisschen Bildung kann nicht schaden, oder? Und: Der christliche Glaube hängt mit Freiheit zusammen. Wir haben keine Speisegebote und auch keine Kleidungsvorschriften. Aber Bildung und Freiheit sind für uns wichtig, gehören bei uns eng zusammen. Luther hat in seiner Schrift „Von der Freiheit eines Christenmenschen“ im Jahre 1520 geschrieben: „Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemand untertan. Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan.“ Freiheit ist seither einer der zentralen Begriffe des evangelischen Glaubens.

Diese Botschaft Martin Luthers, die Botschaft der Freiheit, fast 500 Jahre alt, gilt auch für Euch: Über Bildung wird Freiheit möglich! Der Gott, an den wir glauben, ist der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs – ein Gott, der Israel aus der Knechtschaft ins gelobte Land geführt hat. Der Gott, an den mit Israel auch wir glauben, ist ein Gott, der Befreiung! Unser Glaube, zu dem auch Ihr Euch heute mit Eurer Konfirmation öffentlich bekennt, ist ein Glaube an Gott und an Jesus Christus, der uns von unseren Ängsten befreit. Es ist der Glaube an Gott Vater, Sohn und Heiligen Geist, den jemand mal so schön als den Geist der Freiheit definiert hat. Der Heilige Geist ist der Geist der Freiheit. Unser christlicher Glaube ist auch ein Glaube an die Freiheit. Ich denke, nichts ist heute wichtiger als die Freiheit des Einzelnen. Also: Bewahrt Euch Eure Freiheit! Bleibt kritisch! Glaubt nicht alles, was man Euch erzählt! Wie schon der Apostel Paulus gesagt hat: „Prüft aber alles und das Gute behaltet!“

Das wollte ich, wollten wir, meine Frau und der Kirchengemeinderat, Euch mit auf Euren weiteren Lebensweg geben. Wir freuen uns, dass wir von Euren Eltern darin unterstützt worden sind und bedanken uns dafür ganz herzlich. Wir wünschen Euch im Namen unserer beiden Kirchengemeinden Klettgau und Kadelburg alles erdenklich Gute auf Eurem weiteren Lebensweg! Möge der barmherzige Gott auch weiterhin das Leben eines jeden einzelnen von Euch segnen. Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre Eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.